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Geschäftsbericht 2015

Universitäts-Kinderspital Beider Basel

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Editorial

Verwaltungsratspräsident
Manfred Manser

Starke Netze für gesunde Kinder

Als ältestes Kinderspital der Schweiz blickt das UKBB auf eine lange Tradition zurück. Aus dem medizinischen Verständnis von «kleinen Erwachsenen» wurde eines von Kindern mit ihren körperlichen, seelischen, geistigen und sozialen Ansprüchen. Dies verlangt nach immer mehr Innovationen und Kooperationen im Spitalalltag.

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Vorsitzender der Geschäftsleitung
Lic. iur. Marco Fischer

Ein Spiel ohne Spass

Seit der Einführung von DRG im Jahre 2012 müssen Spitäler die Fallpreise im stationären Bereich mit den Krankenkassen verhandeln. Trotz gesetzlichen Bestimmungen und Gerichtsentscheiden bleibt jedoch ziemlich viel Spielraum, der meist zu Ungunsten der Spitäler ausgereizt wird.

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Äzrtlicher Direktor und Chefarzt Pädiatrie
Prof. Dr. med. Urs Frey

Kooperation «Schweiz Mitte»

Die Hochspezialisierte Medizin verlangt nach einer verstärkten Zusammenarbeit einzelner Spitäler, auch in der Pädiatrie. Um dem Raum «Schweiz Mitte» mehr Gewicht bei der Verteilung der hochspezialisierten Medizin zu geben, haben sich das UKBB und die Kinderklinik des Inselspitals Bern mit den Kinderkliniken der Kantonsspitäler Aarau, Luzern und Bellinzona vertraglich zusammengetan.

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Highlights aus 2015

Pflegeentwicklung

Die Pflegeentwicklung fördert evidenzbasierte Pflegepraxis in den Pflegeteams. Jüngstes Beispiel einer erfolgreichen Umsetzung von der Theorie in die Praxis ist Buzzy, ein medizinisches Hilfsgerät zur nichtmedikamentösen Angst- und Schmerzprävention bei Kindern.

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Moderne Endoskopie

Die Endoskopie wird heutzutage bei gegebener Indikation wenn immer möglich eingesetzt. Denn sie ist nicht nur besonders schonend, sondern erlaubt auch kleinere Eingriffe noch während der diagnostischen Untersuchung.

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Gemeinsame Forschung

Die Kinderkliniken in Basel und Oxford spannen in der Forschung zusammen und helfen so, die Kindermedizin weiterzubringen. Die neuste gemeinsame Forschung untersucht, inwiefern sich Schmerzerfahrungen von Neugeborenen auf ihr weiteres Leben auswirken.

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Statistik & Finanzen

Im herunter­ladbaren Statistik­bericht sind alle wichtigen Zahlen des UKBB, der Finanz­bericht gibt Aus­kunft über den Jahres­ab­schluss.

UKBB Film

Starke Netze für gesunde Kinder Manfred Manser, Verwaltungsratspräsident UKBB

Im Jahr 2016 blickt das UKBB auf eine 170jährige Tradition als eigenständiges Kinderspital zurück. Es ist damit das älteste Kinderspital der Schweiz und (leider) eines der letzten drei rechtlich selbständigen Schweizer Kinderspitäler überhaupt. Die Ablösung der Kindermedizin von der Erwachsenenmedizin war ein wichtiger Schritt zur Senkung der Säuglingssterblichkeit. Es war auch der Start eines neuen medizinischen Verständnisses, dass Kinder nicht als «kleine Erwachsene» betrachtet werden, sondern als Menschen mit ganz eigenen körperlichen, seelischen, geistigen und sozialen Ansprüchen. Die ganzheitliche Betrachtung der Kinder und Jugendlichen war und ist seit jeher ein zentraler Aspekt bei der Behandlung und Betreuung im UKBB.

Vor fünf Jahren hat das UKBB seinen neuen Standort an der Spitalstrasse bezogen. Damit einher ging eine verstärkte medizinische Kooperation zwischen den beiden universitären Spitälern in Basel, dem USB und dem UKBB. Durch die enge Zusammenarbeit kann Fachwissen aus unterschiedlichsten medizinischen Disziplinen gebündelt werden, unabhängig davon, ob nun der jeweilige Facharzt aus der Kinder- oder der Erwachsenenmedizin stammt. Die jüngste Errungenschaft in dieser Zusammenarbeit sind vier neue Behandlungszimmer, in denen Mütter zusammen mit ihren Neugeborenen aufgenommen werden können. Diese Zimmer grenzen direkt an die Neonatologie des UKBB und an die Geburtsklinik des USB. Dieses Angebot ist einzigartig in der Schweiz und ermöglicht eine markante Erhöhung der Qualität der Versorgung, sowohl für die Mütter als auch die Säuglinge.

Die optimale Versorgung von Kindern und Jugendlichen benötigt Lösungen, die nicht von einem einzelnen Arzt, einer einzelnen Ärztin oder einem einzelnen Spital erbracht werden. Vielmehr sind kooperative und übergreifende Lösungen gefragt.

Starke Kooperationen bedingen die Bereitschaft und die Mitwirkung aller Beteiligten. Ich erlebe im UKBB ein riesiges Engagement aller Mitarbeitenden zum Wohle der Kinder, der Jugendlichen und der ganzen Familie. Ich bedanke mich bei allen Mitarbeitenden ganz herzlich für ihren tatkräftigen Einsatz.

Ein Spiel ohne Spass Lic. iur. Marco Fischer, Vorsitzender der Geschäftsleitung

Seit 2012 befindet sich das UKBB mit einigen Krankenkassen im Rechtsstreit wegen den Fallpreisen im stationären Bereich (Basispreise). Im Jahr 2015 hat das Bundesverwaltungsgericht nun endlich einen Entscheid gefällt. Der Entscheid ist leider nicht nur zu Gunsten des UKBB ausgefallen und er legt auch keinen Basispreis im Sinne eines Frankenbetrages fest. Vielmehr werden die «Spielregeln» der Tarifbildung genauer festgelegt und die eigentliche Festsetzung des Basispreises an den Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt zurückgewiesen.

Nun, welche Spielregeln hat das Bundesverwaltungsgericht denn präzisiert? Es wurde beispielsweise genauer definiert, wie ein Vergleich (Benchmark) zwischen den Spitälern zu geschehen hat oder welche Kosten für die Preisbildung relevant sind und welche Kostenblöcke ausgeschieden werden müssen. Wer nun denkt, damit sei alles klar, der irrt sich. Vieles ist auch nach dem erfolgten Urteil noch unklar oder interpretierbar. Völlig eindeutig ist das Bundesverwaltungsgericht aber in einer Sache: Die Tarife für Patienten der Krankenversicherung müssen rigoros getrennt werden von den Tarifen der Patienten der invalidenversicherten. Das mag in einem Spital für Erwachsene keine grosse Rolle spielen. Im UKBB aber, in dem die Patienten der Invalidenversicherung rund die Hälfte der stationären Fälle ausmachen, spielt das eine sehr grosse Rolle.

Die rigorose Trennung der Kosten der Kranken- und der Invalidenversicherung aufgrund des Urteils des Bundesverwaltungsgerichtes führt dazu, dass das UKBB im stationären Bereich zwei Tarife führen muss: einen für Patienten der Krankenversicherung und einen für Patienten der Invalidenversicherung. Dabei zeigt sich, dass die Basispreise, welche sich von den jeweiligen Kosten der Behandlung ableiten, sehr unterschiedlich sind. Der Basispreis für Patienten der Krankenversicherung kommt markant tiefer zu liegen, als der bisherige Mischpreis. Der Basispreise für Patienten der Invalidenversicherung fällt dagegen massiv höher aus. Des einen Leid, des anderen Freud. Es zeigt sich, dass die Invalidenversicherung jahrelang von den Krankenversicherern quersubventioniert wurde.

Vor dem Hintergrund des Entscheides des Bundesverwaltungsgerichts und der damit möglichen neuen Preisgestaltung des UKBB gegenüber den Krankenkassen konnte nun auch mit dem grössten Leistungseinkäufer, der tarifsuisse ag, eine Einigung über die Tarife 2012-2015 und für das Jahr 2016 gefunden werden. Keine Einigung war leider bisher mit der Invalidenversicherung möglich. Das UKBB wird aller Voraussicht in einen Rechtsstreit mit der Invalidenversicherung treten müssen, um einen kostenbasierten Basispreis geltend zu machen. Unschön dabei ist, dass hierfür der Bundesrat seit Jahren kein ordentliches Rechtsmittel definiert hat.

Trotz ungeklärter Tariffragen gelingt es dem UKBB nach wie vor, eine hervorragende Versorgung und Betreuung der Kinder, Jugendlichen und Familien sicher zu stellen. Diesbezüglich gilt unser Dank auch den Trägerkantonen Basel-Stadt und Basel-Land. Der grösste Dank geht an unsere Mitarbeitenden, die Tag für Tag ein tolles Engagement zum Wohl unserer Patientinnen und Patienten zeigen.

Kooperation Raum «Schweiz Mitte» Prof. Dr. med. Urs Frey, Ärztlicher Direktor und Chefarzt Pädiatrie

Die Zusammenarbeit in der hochspezialisierten Medizin (HSM) soll auch in pädiatrischen Gebieten wie zum Beispiel der Onkologie, Neonatologie, schweres Trauma, Verbrennungen, angeborene Herzfehler, Kinder-Neurochirurgie oder Transplantationen im Sinne der Qualitätssteigerung gefördert werden. Dies ist grundsätzlich eine begrüssenswerte Entwicklung und funktioniert in der Pädiatrie schon seit Jahren auf der fachlichen Ebene gut. Die HSM Diskussion und Zuteilung in der Pädiatrie hat in den letzten zwei bis drei Jahren jedoch zu sehr viel Unruhe und Störung der gut funktionierenden Zusammenarbeiten zwischen den Kinderspitälern geführt. Denn im Rahmen der gesamtschweizerischen HSM Reorganisation besteht eine gewisse Gefahr, dass ein Grossteil dieser HSM Gebiete nur noch auf Zürich und Lausanne aufgeteilt werden, und wir im Mittelland mit einem Verlust unserer Schwerpunkte rechnen müssen.

Das UKBB ist stark in den Bereichen Onkologie, Stammzelltransplantation, Knochentumoren, Neurochirurgie, Neonatologie sowie schweres Trauma. In Gebieten wie zum Beispiel der Herzchirurgie kooperiert das UKBB eng mit anderen Zentren (Herznetzwerk Bern-Basel). Auch mit den Kinderkliniken Aarau, Bern, Luzern und Bellinzona bestehen schon seit Jahren gute Zusammenarbeiten auf höchstem qualitativem Niveau. Dieser Raum ‚Schweiz Mitte‘ mit den Einzugsgebieten der Kinderkliniken UKBB, Bern, Aarau, Luzern, und Bellinzona ist gross, und umfasst eine Bevölkerung von ca. 2-2.5 Mio. Einwohner, davon ca. 20% Kinder. Verlieren wir unsere Schwerpunkte, büssen wir auch an Attraktivität ein, was wiederum die Gefahr der Abwanderung der Fachkräfte aus der Region birgt, die für die Grund- und Spitalversorgung sowie für die Lehre und Forschung unverzichtbar sind.

Diese Kinderkliniken des Raums «Schweiz Mitte» haben deshalb 2015 einen Kooperationsvertrag abgeschlossen, um als Netzwerk in ihren angestammten starken Gebieten eng miteinander zusammenzuarbeiten. Dies ermöglicht nicht nur den Erhalt der Fachkompetenz hier im Raum ‚Schweiz Mitte‘, sondern auch eine koordinierte Weiterbildung der Fachkräfte. An gemeinsamen Fallkonferenzen können zudem die komplexen Fälle miteinander im grossen Team besprochen werden. In den Bereichen der hochspezialisierten Medizin (HSM) soll die Zusammenarbeit zudem explizit gefördert werden. Die Vereinbarung basiert auf gegenseitigem Respekt und gewährleistet Patientinnen und Patienten den bestmöglichen, wohnortsnahen Behandlungs- und Versorgungsstandard auf gutem qualitativem Niveau.

Es ist vorgesehen, dass im Jahr 2016 alle pädiatrischen HSM Gebiete gesamtschweizerisch neu evaluiert werden. Das Ziel der Initiative «Schweiz Mitte» ist nun, die offizielle Anerkennung des bestehenden gut funktionierenden Netzwerkes bei den HSM Fachorganen und den politischen Organen zu erreichen. Das Gelingen dieses Konzepts wird langfristig für das Bestehen des universitären Standorts UKBB eine Voraussetzung sein. Aufgrund der engen Verknüpfung von hochspezialisierter Medizin, tertiärmedizinischer (Spitalmedizin) und Grundversorgung wird dieser Entscheid für die gesamte Pädiatrie in der Nordwestschweiz eine bedeutende Rolle spielen.

Pflegeentwicklung – von der Theorie in die Praxis Caroline Stade, Pflegdienstleiterin, Christine Becher, Leiterin Pflegeentwicklung

Die Pflegeentwicklung ist ein eigenständiger Bereich des Pflegedienstes am UKBB. Die wichtigste Aufgabe der Pflegeentwicklung ist die Förderung und Verankerung einer evidenzbasierten Pflegepraxis in den Pflegeteams. Als Mitglieder der Fachgruppe Pflegeentwicklung arbeiten die Pflegeexpertinnen der Stationen in der Praxis eng mit ihren Stationsleitungen und im ganzen Pflegeteam zusammen. Wie Erkenntnisse aus der Pflegewissenschaft konkret in die Pflegepraxis gelangen, illustriert das folgende Beispiel. Einführung von Buzzy® zur nichtmedikamentösen Angst- und Schmerzprävention.

Buzzy reduziert die Schmerzleitung und Angst

Viele Kinder haben Angst vor Schmerzen, welche durch Nadelstiche oder andere Prozeduren entstehen. Im Wissen darum, dass die ganzheitliche Schmerzbehandlung ein Kinderrecht ist, haben zwei Pflegeexpertinnen (Pflegeentwicklung/Notfallstation) im 2015 ein umfangreiches, von der Geschäftsleitung bewilligtes Projekt zur nicht-medikamentösen Schmerz- und Angstprävention bei Kindern aller Altersstufen gestartet.

Eine der geplanten Massnahmen konnte parallel zur Projektplanung bereits umgesetzt werden. Beim ihren Recherchen stiessen die Pflegeexpertinnen auf den Buzzy® und fanden in der Forschungsliteratur die nötigen wissenschaftlichen Hintergrundinformationen dazu.

Buzzy® ist ein medizinisches Hilfsgerät, basierend auf der Gate-Control Theorie. Durch Kälte und Vibration reduziert es die Schmerzleitung (lokal) und durch Ablenkung zusätzlich die Angst. Auf der Notfallstation, der Poliklinik und der Tagesklinik, wo Pflegefachpersonen besonders häufig schmerzhafte Interventionen durchführen, konnte der Buzzy® erfolgreich getestet, evaluiert und eingeführt werden.

Prozeduraler Schmerz ist ein Thema, das Pflegefachpersonen im Praxisalltag häufig beschäftigt. Diese Ausgangslage begünstigt natürlich den Erfolg bei der Einführung einer Neuerung wie Buzzy®. Dank der Unterstützung durch die kompetenten Pflegeexpertinnen in der Fachgruppe gelingen auch weniger attraktive Neuerungen wie die Umstellung auf nadellose Infusionssysteme und die Einführung von Patientenarmbändern.

Moderne Endoskopie: Schonende Diagnose- und Be­handlungs­methode in einem Prof. Dr. med. Jürg Hammer, Leiter Intensivmedizin und Pneumologie, PD Dr. med. Raoul Furlano, Leiter Pädiatrische Gastroenterologie & Ernährung, Prof. Dr. med. Stefan Holland-Cunz, Chefarzt Chirurgie

Die Endoskopie spielt in vielen Fachbereichen der Kindermedizin eine wichtige Rolle. Sie ermöglicht Ärztinnen und Ärzten ohne oder nur mit einem kleinen chirurgischen Eingriff Körperhöhlen und Hohlorgane zu untersuchen, Krankheiten zu erkennen und diese gegebenenfalls gleich behandeln oder operieren zu können.

Am UKBB wird die Endoskopie bei entsprechender Indikation so häufig wie möglich eingesetzt, da diese für die kleinen Patientinnen und Patienten besonders schonend ist. Durch die regelmässige Anwendung und die exzellente interdisziplinäre Zusammenarbeit besteht am UKBB eine hohe Expertise, die auch international Beachtung findet.

Endo­skopie in der Pneumo­logie

In der Pneumologie wird sowohl die flexible als auch die starre Bronchoskopie eingesetzt. Da im UKBB beide Untersuchungsarten vom selben Team durchgeführt werden, kann während der Endoskopie von der einen auf die andere Technik umgestellt werden; eine Stärke des UKBB und zunehmende Rarität sowohl im In- als auch im Ausland. Dank dieses Fachwissens konnten nun zusammen mit Deutschen Fachgesellschaften Leitlinien bei der Behandlung von eingeatmeten oder eingenommenen Fremdkörpern erarbeitet und publiziert werden.

National und international vernetzt

Die Pneumologie des UKBB und die Charité Berlin führten dieses Jahr zum dritten Mal in Folge den dreitägigen Bronchoskopiekurs «Medical Expert Training in Paediatric Bronchoscopy» durch.

Der Kurs wird alternierend in Berlin und in Basel unter der Schirmherrschaft von Olympus organisiert und beinhaltet sowohl die flexible als auch die starre Atemwegendoskopie.

Zusammen mit dem Inselspital Bern wurde das «Board für komplexe Atemwegschirurgie» gegründet. Dieses hat zum Ziel, Patienten mit komplexen Atemwegsproblemen interdisziplinär und über beide Spitäler hinweg zu beraten.

Endoskopie in der Gastroentrologie

In der Gastroenterologie wiederum wird eine spezielle Art der Endoskopie, die sogenannte Ösophago-Gastro-Duodenoskopie und Koloskopie verwendet. Dank diesen Methoden kann die Speiseröhre, der Magen, der Zwölffingerdarm, der Dickdarm sowie der erste und letzte Teil des Dünndarms mithilfe von Kameras untersucht werden.

Mit einer nur kurzen Anästhesie können so Krankheiten, wie Reflux oder Gastritis sowie Zöliakie oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen erkannt und auch behandelt werden. Solche Eingriffe dauern in der Regel zwischen 10 und 30 Minuten und werden entweder mit Foto- und/oder Videoaufnahmen dokumentiert.

Auch international unterwegs

Die Gastroenterologen des UKBB sind auch auf internationalem Parkett häufig anzutreffen. Sei dies in regelmässig stattfindenen Workshops für pädiatrische, gastroenterologisch-therapeutische Endoskopien, zum Beispiel in Rom, Boston oder Sheffield oder auch durch weltweit live übertragene Interventionen am UKBB selbst.

Ebenso werden in Kürze in Zusammenarbeit mit der Gastroenterologie UKBB neue Europäische Guidelines zur endoskopischen Entfernung von Fremdkörpern unter dem Patronat der ESPGHAN (European Society for Pediatric Gastroenterology Hepatology and Nutrition) und ESGE (European Society of Gastrointestinal Endoscopy) publiziert.

Endo­skopie in der Kinder­chirurgie

Die Kinderchirurgie arbeitet im endoskopischen Bereich oft mit Fachspezialisten anderer Gebiete, insbesondere der Gastroenterologie und der Pneumologie, zusammen.

Gemeinsam wird zum Beispiel bei Neugeborenen mit angeborener Fehlbildung, wie einem Verschluss der Speiseröhre, mithilfe von verschiedenen endoskopischen Verfahren narkoseschonend operiert.

Bei älteren Kindern mit schwerwiegenden Ernährungsstörungen aufgrund von anatomischen Besonderheiten, die mit einem erhöhten Risiko von Verletzungen des Darmes oder anderer innerer Organe einhergeht, wird das im UKBB entwickelte Rendezvousverfahren eingesetzt. Dabei arbeiten die behandelnden Ärzte gleichzeitig mit dem Endoskop und dem Laparoskop sowie einem individuell angepassten Sondensystem.

Internationale Zusammenarbeit für gemeinsame Studien

Im Bereich der Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen der kindlichen Speiseröhre und des Rückflusses von Magensaft in die Speiseröhre arbeitet die Kinderchirurgie eng mit dem Heidelberger Universitätsklinikum zusammen. Aktuell werden gemeinsame Studien konzipiert.

Basel und Oxford: Gemein­same Forschung für die Zukunft der Kinder Prof. Dr. med. Georg Holländer, Leitender Arzt Forschung

Sowohl im UKBB als auch im Department of Paediatrics der Universität von Oxford, England, hat Forschung einen hohen Stellenwert. In den letzten Jahren entstand deshalb zwischen den beiden Institutionen ein regelmässiger wissenschaftlicher Austausch, aus dem mittlerweile eine enge Zusammenarbeit in den Bereichen Immunologie und Neonatologie resultierte.

Die bereits erreichten Fortschritte zeigen auf, wie gewinnbringend eine gezielte Zusammenarbeit zwischen zwei forschungsstarken pädiatrischen Einheiten sein kann. Diese soll deshalb in Zukunft noch weiter ausgebaut werden.

Ent­wicklungs­immunologie – Erforschung des Thymus

Seit längerem arbeiten das UKBB und das Departement of Paediatrics der Universität von Oxford im Bereich der Entwicklungsimmunologie zusammen. Dabei wird untersucht, wie das Immunsystem die Fähigkeit erlangt, unter physiologischen Bedingungen infektiöse Erreger und bösartige, entartete Zellen erkennen und beseitigen zu können, und gleichzeitig den eigenen Körper nicht zu schädigen.

T-Lymphozyten ermöglichen eine gezielte und effiziente Immunantwort

Im Zentrum steht die Erforschung des Thymus. Dieses lymphatische Organ ist Teil des Immunsystems und essentiell für die physiologische Ausbildung von sogenannten T-Lymphozyten.

Diese Zellen ermöglichen die gezielte und effiziente Immunantwort gegen unterschiedlichste Erreger, Fremdstoffe und Krebszellen. Kinder mit einem gänzlich fehlenden oder nicht richtig ausgebildeten Thymus leiden an einer Immunmangelerkrankung, die sich typischerweise in lebensbedrohlichen Infekten aber gelegentlich auch in Autoimmunität und Tumoren manifestieren können.

Die in Basel und Oxford realisierte Forschung hat zum Ziel, die physiologische Bildung von T Lymphozyten im Thymus genauer zu charakterisieren. Damit wird die Erkenntnisgrundlage geschaffen, Krankheiten, bei welchen der Thymus nicht richtig ausgebildet wird oder gänzlich fehlt, besser molekular verstehen zu können.

Schmerz­empfinden von Neu­geborenen

Die neuste Zusammenarbeit beschäftigt sich mit den Fragen, wie Neugeborene auf Schmerzen reagieren, wie der bei Eingriffen entstehende Schmerz am besten verhindert beziehungsweise gelindert werden kann, und welche Langzeitkonsequenzen aus einer Schmerzerfahrung für das restliche Leben des Neugeborenen resultieren.

Neugeborene können zweifelsfrei Schmerz empfinden

In den letzten Jahren konnte zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass Neugeborene Schmerz empfinden können. Da sie jedoch keine verlässlichen Angaben zum Schmerz kommunizieren können, ist es für Wissenschaftler und Kliniker eine spezielle Herausforderung, den tatsächlichen, durch Eingriffe entstandenen Schmerz genau messen zu können. Arbeiten der Paediatric Infant Pain and Anaesthesia (PIPA) Group des Kinderspitals in Oxford konnten aufzeigen, dass Schmerzdauer und -ausmass durch Änderungen der neurophysiologischen Hirnaktivität und zusätzlicher Bestimmungsgrössen wie Herz- und Atemfrequenz sowie gut definierter Verhaltensmuster genau bestimmt werden können.

Bei Termingeborenen sind Veränderungen in der Grosshirnrinde Ausdruck für eine spezifische Schmerzantwort und geben zusätzlich Hinweis darauf, dass in diesem Alter Schmerz bereits bewusst wahrgenommen wird.

Schmerzhafte und anstrengende Eingriffe im Neugeborenenalter können deshalb zu veränderter Hirnentwicklung und damit sehr wahrscheinlich auch zu Änderung der kognitiven und sensorischen Schmerzwahrnehmung führen. Auf Grund dieses Erkenntnistandes laufen gegenwärtig in Basel und Oxford Bemühungen, die wirksamste Schmerzbehandlung bei Neugeborenen zu ermitteln.