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Geschäftsbericht 2016

Universitäts-Kinderspital beider Basel

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Editorial

Verwaltungsratspräsident
Manfred Manser

Qualitativ hoch­stehende Kinder­medizin benötigt kosten­deckende Tarife im ambulanten und stationären Bereich

In der Schweiz werden 7.8% der Gesundheits­ausgaben für die Gesundheits­versorgung in den ersten 20 Lebens­jahren aufgewendet. Nur 1.9% der Ausgaben gehen auf das Konto der Spital­aufenthalte für die Alters­gruppe bis 15 Jahre.

Volks­wirt­schaftlich ist die Kinder- und Jugend­medizin kosten­günstig. Die Einführung der Fallpreis­pauschalen im Jahre 2012 für die stationäre Behandlung in Spitälern ging mit vielen Befürchtungen einher.

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Vorsitzender der Geschäftsleitung und CEO
Lic. iur. Marco Fischer

Schlanke Prozesse zur Unter­stützung der Kern­funktionen

Eine im Frühjahr 2016 publizierte Begleitstudie der FMH zu den Auswirkungen der neuen Spital­finanzierung hat ergeben, dass der Anteil der Arbeits­zeit der Ärzte am Patienten abnimmt, während der Anteil an administrativen Tätig­keiten immer mehr zunimmt. Nur noch rund ein Drittel ihrer Zeit verwenden Ärzte der Akutsomatik für patienten­nahe Tätigkeiten.

Das UKBB hat bereits im Herbst 2015 ein Projekt gestartet, mit dem der Tendenz der Administrierung medizinischer Tätigkeiten entgegen­gewirkt werden soll.

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Ärztlicher Direktor und Chefarzt Pädiatrie
Prof. Dr. med. Urs Frey

Optimale Ver­sorgung von Früh- und Neu­geborenen im Raum Nord­west­schweiz

In den letzten Jahren ist eine Zunahme der Zahl der Frühgeborenen zu beobachten, die immer jünger werden und zum Teil schon ab der 23. Schwanger­schafts­woche auf die Neo­natologie des UKBB kommen.

Viele dieser Früh­geborenen haben immer komplexere medizinische Probleme, die die enge Zusammen­arbeit von Spezialisten aus der Neo­natologie und fast allen pädiatrischen Fach­gebieten erfordert.

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Highlights aus 2016

Hoch­spezialisierte Pflege­fach­personen für die Neo­natologie

Die Pflege von zu früh oder nicht gesund geborenen Kindern benötigt viel Spezial­wissen und fach­spezifische Ausbildungen. Durch die Schliessung der Frauen­klinik Bruder­holz ent­standen im UKBB 2016 zusätzliche Neonatologie-Plätze.

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Intensivere Eltern/Kind-Bindung durch Rooming-in

Als erste Neonatologie der Gesamtschweiz werden vier sogenannte Rooming-in Zimmer angeboten. Eltern können somit rund um die Uhr und in angemessener Privatsphäre bei Ihren Früh- oder Neugeborenen bleiben.

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Hirn­zellen-Re­generation bei Früh­geborenen durch körper­eigene Hormone

Frühgeborene haben immer einen schwierigen Start ins Leben. Eine besonders schwerwiegende Komplikation ist die Hirnblutung, die durch den Stress rund um die Geburt auftreten kann.

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Statistik & Finanzen

Im herunter­ladbaren Statistik­bericht sind alle wichtigen Zahlen des UKBB, der Finanz­bericht gibt Aus­kunft über den Jahres­ab­schluss.

UKBB Film

Qualitativ hoch­stehende Kinder­medizin benötigt kosten­deckende Tarife im ambulanten und stationären Bereich Manfred Manser, Verwaltungsratspräsident UKBB

In der Schweiz werden 7.8% der Gesundheitsausgaben für die Gesundheitsversorgung in den ersten 20 Lebensjahren aufgewendet. Nur 1.9% der Ausgaben gehen auf das Konto der Spitalaufenthalte für die Altersgruppe 0-15 Jahre (BfS, 2016, Daten 2014).

Volkswirtschaftlich ist die Kinder- und Jugendmedizin kostengünstig. Die Einführung der Fallpreispauschalen (SwissDRG) im Jahre 2012 für die stationäre Behandlung in Spitälern ging mit vielen Befürchtungen einher. Die Sorge war, dass eigenständige Kinderspitäler nicht mehr selbstständig bestehen können. Die Sorge besteht nach wie vor, weil die Kindermedizin aufwendig ist.

Kostenvergleiche mit Kinderkliniken, welche in einem Spital integriert sind, zeigen jedoch, dass die eigenständigen Kinderspitäler nicht teurer wirtschaften. Das beruhigt. Dennoch müssen die eigenständigen Kinderspitäler ihre höheren Fallkosten im Vergleich zur Erwachsenenmedizin ständig rechtfertigen. In Kinderkliniken, die in einem Spital integriert sind, geht diese Diskussion aufgrund der kleinen Fallzahlen und der Querfinanzierung unter.

Die Abbildung der Kindermedizin ist sowohl im Swiss DRG-Leistungskatalog als auch im ambulanten Tarif (TarMed) noch längst nicht sachgerecht. Solange dies so ist, benötigen die Kinderspitäler insbesondere für die stationäre Behandlung weiterhin höhere Basispreise um die Kosten zu decken. Die Kinderspitäler haben in den letzten Jahren eine grössere Zahl von Anträgen an die SwissDRG AG für eine sachgerechte Abbildung der Kindermedizin gestellt.

Dennoch: Es dauert sechs Jahre bis ein Antrag an die SwissDRG AG für die Spitäler erlösrelevant wird. So wundert es nicht, dass die Tarife für die Kinderspitäler nur allmählich in die richtige Richtung tendieren. Unsere grösste Sorge ist die Abbildung der kranken Neugeborenen im Swiss DRG- Leistungskatalog. Die Bewertungen der Kosten von kranken Neugeborenen sind im 2013 regelrecht eingebrochen.

Die Gründe sind vielfältig: kleine Fallzahlen, für Neugeborene unpassende Plausibilisierungsalgorithmen, unreifer Diagnose- Katalog für diese Altersgruppe, ungenügende Differenzierung der Krankheitsbilder und Therapien usw. Das UKBB fordert deshalb für die ambulante und stationäre Behandlung neue Vergütungsmodelle, welche die Kostenrealität in der Kindermedizin korrekt abbilden.

Zudem sind die Kinderspitäler nicht mit der Erwachsenenmedizin, sondern untereinander zu vergleichen. Dennoch steht das UKBB dank einer umsichtigen Planung und herausragenden medizinischen Leistungen auf festen Füssen. Der unermüdliche und tatkräftige Einsatz aller Mitarbeitenden hat zum Erfolg beigetragen. Dafür möchte ich allen danken. Den grössten Dank drücken aber die unzähligen lachenden und strahlenden Kinder aus, welche durch die qualitativ hochstehenden Leistungen aller Mitarbeitenden im UKBB wieder gesund geworden sind.

Schlanke Prozesse zur Unter­stützung der Kern­funktionen Lic. iur. Marco Fischer, Vorsitzender der Geschäftsleitung und CEO

Eine im Frühjahr 2016 publizierte Begleitstudie der FMH zu den Auswirkungen der neuen Spitalfinanzierung hat ergeben, dass der Anteil der Arbeitszeit der Ärzte am Patienten abnimmt, während der Anteil an administrativen Tätigkeiten immer mehr zunimmt.

Nur noch rund ein Drittel ihrer Zeit verwenden Ärzte der Akutsomatik für patientennahe Tätigkeiten. Besonders betroffen sind dabei die Assistenzärzte: 27% ihrer Arbeitszeit verbrauchen sie für Dokumentationsarbeiten. Dies ist insofern kritisch, als sie möglichst viel Zeit ihrer Weiterbildung für die Tätigkeit am Patienten erhalten sollten. Betroffen sind aber nicht nur Ärzte, auch Pflegende und Therapeuten sind immer mehr durch administrative Arbeiten gebunden.

Unter dem Titel «Kernprozessoptimierung» hat das UKBB bereits im Herbst 2015 ein Projekt gestartet, mit dem der Tendenz der Administrierung medizinischer Tätigkeiten entgegengewirkt werden soll. Der Titel war verfänglich: Es sollten nicht die Kernprozesse direkt optimiert, sondern vielmehr die administrativen Supportprozesse zu Gunsten der Kernprozesse verbessert werden. Daher wurde der Titel auf «Lean» geändert.

Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe mit Kaderpersonen aus dem ärztlichen Dienst, der Pflege und der Verwaltung hat in einem ersten Schritt eine Auslegeordnung erstellt. Dabei zeigte sich rasch, dass das Projekt Chancen, aber auch Gefahren birgt. Die Chancen liegen auf der Hand: Eine Optimierung der Supportprozesse entlastet die Fachpersonen in den medizinischen Kernprozessen, damit diese mehr Zeit für die Arbeit am Patienten erhalten. Die Risiken liegen vor allem in der Komplexität der Abläufe und der Vielfalt der Möglichkeiten, wo man ansetzen könnte.

Die Geschäftsleitung hat beschlossen, dass sich «Lean» vorerst primär auf den stationären Bereich fokussiert. Zudem sollen als erstes die sogenannten «low hanging fruits» geerntet werden, das heisst, diejenigen Verbesserungen realisiert werden, die mit wenig Aufwand einen grossen Nutzen erbringen. Eine solche Massnahme ist zum Beispiel die Schaffung der neuen Personalkategorie «Klinik- oder Stationsmanager».

Der Klinikmanager stellt das Bindeglied zwischen den medizinischen Kernfunktionen und den administrativen Prozessen dar. Er ist Hauptansprechpartner für die Verwaltung in organisatorischen und administrativen Belangen und entlastet direkt die medizinischen Fachpersonen. Durch die Arbeit des Klinikmanagers kann die Zufriedenheit des medizinischen Personals gesteigert und die Qualität der Behandlungen und Betreuungen erhöht werden. Ausserdem können so Funktionen der verschiedenen Berufsgruppe voneinander abgegrenzt werden, so dass sich jede Berufsgruppe auf ihr Kerngebiet konzentrieren kann.

«Lean» hat nicht nur Verbesserungspotentiale sichtbar gemacht, sondern auch einen Nebeneffekt erzeugt: ein vertieftes Verständnis und eine Wertschätzung der verschiedenen Professionen untereinander. An dieser Stelle danke ich allen Mitarbeitenden des UKBB, die sich mit Engagement und Herzblut am UKBB engagieren, sei es direkt für die Patienten, für reibungslose Abläufe oder für interne und externe Kunden. Herzlichen Dank.

Optimale Ver­sorgung von Früh- und Neu­geborenen im Raum Nord­west­schweiz Prof. Dr. med. Urs Frey, Ärztlicher Direktor und Chefarzt Pädiatrie

In den letzten Jahren ist eine Zunahme der Zahl der Frühgeborenen zu beobachten, die immer jünger werden und zum Teil schon ab der 23. Schwangerschaftswoche auf die Neonatologie des UKBB kommen.

Viele dieser Frühgeborenen haben immer komplexere medizinische Probleme, die die enge Zusammenarbeit von Spezialisten aus der Neonatologie und fast allen pädiatrischen Fachgebieten erfordert. Bei schwierigen familiären und sozialen Verhältnissen können ausserdem Experten aus den Sozialdiensten und Care Teams in die Betreuung miteinbezogen werden. Die Betreuung dieser Kinder gelingt nur durch das enge Zusammenspiel zwischen Geburtskliniken, der Neonatologie, den niedergelassenen Kinderärzten und natürlich der Eltern.

Nach der Schliessung der Neugeborenen-Bettenstation im Bruderholz haben sich die Neonatologie UKBB, das Frauenspital USB und das Bethesda Spital reorganisiert und ein exzellentes, risikostratifiziertes Versorgungsnetzwerk für Neugeborene und Frühgeborene für den Raum Nordwestschweiz etabliert.

Während Neugeborene mit niedrigem Geburtsrisiko eher im Bethesda Spital geboren werden, werden Hochrisikogeburten im USB durchgeführt, wo das Team der Neonatologie direkt bei der Geburt anwesend ist und kritisch kranke Kinder rasch übernehmen kann. Meist werden schon durch eine systematische pränatale Diagnostik Risikoschwangere und Risikokinder identifiziert und mit den neonatologischen und pädiatrischen Fachspezialisten besprochen, so dass Geburt und Erstversorgung dieser Kinder optimal geplant werden können.

Ebenso wurden aber auch neonatologische Sicherheitsnetze für das Bethesda Spital, das Spital Liestal und Delémont intensiviert. Nach der Erstversorgung durch Fachärzte, werden in diesen Kliniken unerwartet kritisch kranke Neu- und Frühgeborene durch das Team der Neonatologie sicher abgeholt und ins UKBB transportiert. Standardisierte Verlegungsprozesse und Qualitätskriterien verbessern die Sicherheit dieser Kinder.

Die Nachbetreuung dieser ehemaligen Frühgeborenen erfolgt nach klaren Qualitätsstandards in enger Zusammenarbeit mit niedergelassenen Kinderärzten, Spitex, Physio- und Ergotherapie. Die Versorgung der Frühgeborenen in der Region Basel gehört qualitativ zu den Besten der Schweiz und sticht auch im europäischen Raum heraus.

Dies ist nur durch eine enge Zusammenarbeit aller beteiligten Therapeuten und der Eltern möglich. Das 2016 vom UKBB und USB gegründete Perinatalzentrum stellt diese lückenlose Zusammenarbeit nach nationalen und europäischen Qualitätsstandards sicher.

Hoch­spezialisierte Pflege­fach­personen für die Neo­natologie Caroline Stade, Leiterin Pflege­dienst

Die Pflege von zu früh oder nicht gesund geborenen Kindern benötigt viel Spezialwissen und fachspezifische Ausbildungen. Durch die Schliessung der Frauenklinik Bruderholz entstanden im UKBB 2016 zusätzliche Neonatologie-Plätze. Um diese Plätze zu betreiben, musste mehr qualifiziertes Pflegepersonal eingestellt werden.

Trotz schwieriger Rekrutierungssituation auf dem Arbeitsmarkt konnten die benötigten Pflegefachpersonen mit erweiterter Fachkompetenz in Neonatologie und/oder Expertinnen Intensivpflege NDS HF zeitnah rekrutiert werden. Zudem verzeichnete das UKBB eine Vielzahl von erfolgreichen Abschlüssen im Nachdiplomstudiengang «Expertin Intensivpflege ND HF» sowie im Nachdiplomkurs «NDK Neonatologie».

Frühgeborene oder kranke Neugeborene, die eine besonders intensive Überwachung benötigen, liegen auf der Intensivpflege / Neonatologie nach wie vor gemeinsam in mehreren offenen Räumen, wo sie von den speziell ausgebildeten Pflegefachpersonen oder Expertinnen betreut werden.

Das neue Konzept kommt sowohl bei der Pflege als auch bei den Eltern sehr gut an

Mit den neu eingerichteten Rooming-in Plätzen wird Eltern mit Kindern, die nicht mehr auf intensivste Pflege angewiesen sind, ein persönlicher Bereich angeboten, in den sie sich zurückziehen können. Zwar werden die Kinder nach wie vor per Monitor überwacht, doch steht heute dank der Rooming-in Plätze die Familienzentrierung deutlich im Vordergrund.

Das neue Konzept kommt sowohl bei der Pflege als auch bei den Eltern sehr gut an. Das Pflegepersonal der Intensivstation / Neonatologie wird bei der Arbeit durch eine Kinaesthetics Trainerin professionell begleitet. Sie kann vor allem im Bereich des «Infant Handlings» wichtige Hinweise und Tipps zum gesundheitsfördernden Bewegungsverhalten geben.

Die Pflegefachpersonen der Intensivpflege / Neonatologie können so ihre oft strapazierende Arbeit ohne körperliche Beschwerden ausführen und eine optimale Pflege und Betreuung der Früh- und Neugeborenen gewährleisten.

Intensivere Eltern/Kind-Bindung durch Rooming-in Prof. Dr. med. Sven Schulzke, Leitender Arzt Neo­natologie

Aus medizinischer Sicht war das Jahr 2016 ein grosser Erfolg für die Neonatologie des UKBB: Als erste Neonatologie der Gesamtschweiz werden vier sogenannte Rooming-in Zimmer angeboten. Eltern können somit rund um die Uhr und in angemessener Privatsphäre bei Ihren Früh- oder Neugeborenen bleiben, die Kinder werden aber zu jeder Zeit medizinisch betreut und überwacht.

Als erste Neonatologie der Schweiz werden sogenannte Rooming-in Zimmer angeboten

Die Räumlichkeiten wurden in Kooperation mit dem Universitätsspital Basel in der Frauenklinik als Erweiterung der bestehenden Neugeborenen-Intensivstation des UKBB erstellt. Das Rooming-in ermöglicht eine frühe und intensive Bindung zwischen Eltern und Kind sowie eine schrittweise und behutsame Übergabe der pflegerischen Verantwortung vom Behandlungsteam an die Eltern.

Dieser Prozess der Verantwortungsübernahme für ein ehemals extrem Frühgeborenes oder krankes Neugeborenes stellt für Eltern oftmals eine erhebliche Herausforderung dar. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn ihr Kind zuvor sehr schwer krank war und über mehrere Monate auf der Neugeborenen-Intensivstation gepflegt worden war.

Durch die schrittweise Übernahme der Verantwortung im Rahmen des Rooming-in können Ängste der Eltern abgebaut und ihre Kompetenz nachhaltig gestärkt werden. Gleichzeitig ist die Sicherheit der Neugeborenen im Rooming-in-Bereich jederzeit gewährleistet, weil kompetente Neonatologie-Pflegende und -Ärzte rund um die Uhr zur Betreuung der Familien zur Verfügung stehen und die Kinder weiterhin mit hochmodernem Monitoring überwacht werden.

Schon wenige Monate nach Eröffnung der Rooming-in Zimmer ist erkennbar, dass dieses Angebot die Aufenthaltsdauer sowie die Rehospitalisierung der Kinder reduziert. Darüber hinaus wurde der schweizweiten Bettenknappheit für neonatologische Intensivbetten Rechnung getragen, indem die Neonatologie UKBB von ursprünglich 24 auf nunmehr 34 Betten einschliesslich der Rooming-in Zimmer erweitert wurde.

Das UKBB ist damit gut gerüstet für die weiterhin zunehmende Geburtenzahl in der Schweiz. Gleichzeitig wird das Angebot für Kinder aus Risikoschwangerschaften nachhaltig gestärkt, die oftmals eine multidisziplinäre und qualitative hochwertige medizinische Langzeitbetreuung durch Spezialisten benötigen.

Hirn­zellen-Re­generation bei Früh­geborenen durch körper­eigene Hormone Prof. Dr. med. Sven Wellmann, MBA, Leitender Arzt Neo­natologie

Frühgeborene haben immer einen schwierigen Start ins Leben. Eine besonders schwerwiegende Komplikation ist die Hirnblutung, die durch den Stress rund um die Geburt auftreten kann. Diese birgt das Risiko für lebenslange geistige und motorische Behinderungen.

Die Studie leistet dabei einen wesentlichen Forschungs­beitrag

Die im Jahr 2014 begonnene sogenannte «EpoRepair»-Studie hat zum Ziel, entwicklungsneurologische Komplikationen bei diesen Hochrisikokindern zu lindern. Sie ist eine doppelblinde, randomisierte klinische Studie und wird an neun Kinderspitälern der Maximalversorgung in der Schweiz, Österreich und Deutschland mit Leitung am UKBB durchgeführt.

Bei der Studie wird überprüft, ob das körpereigene Hormon der Blutbildung, Erythropoetin (Epo), die Regeneration der Hirnzellen nach einer Hirnblutung verbessern kann damit die Kinder mit weniger geistigen und motorischen Beeinträchtigungen heranwachsen. Interessanterweise kommt das Hormon Epo auch bei Tieren vor, die gar keine roten Blutkörperchen haben.

Das Hormon Ery­thropoietin reguliert die Bildung von roten Blut­körperchen.

Dadurch fand man heraus, dass Epo noch andere wichtige Aufgaben hat. Es fördert die Regeneration von defektem Gewebe. Erste Hinweise aus klinischen Studien zeigen, dass therapeutisch verabreichtes Epo bei extrem frühgeborenen Kindern zu einer besseren neurologischen Entwicklung beiträgt – ein Ansporn die «EpoRepair»-Studie zügig voranzutreiben.

Mittlerweile wurde über die Hälfte der insgesamt geplanten 120 Kinder behandelt. Die vorliegende Studie leistet dabei einen wesentlichen Forschungsbeitrag, der im Idealfall in eine neue Therapie mündet.

Als Neonatologe kämpft man immer um das Leben der Frühgeborenen. Umso grösser ist die Freude, wenn ehemalige Frühgeborene nach Monaten oder Jahren nach Austritt auf dem Arm der Mutter oder sogar schon frei laufend zu Besuch ins UKBB kommen und sich gut entwickelt haben.

Es ist zu hoffen, dass die «EpoRepair»-Studie hierzu einen wesent­lichen Beitrag leisten kann. Dies wird durch die grosszügige Unter­stützung des Schweizerischen Nationalfond und weiterer Geldgeber ermöglicht.

Erythropoietin schützt die Daten­autobahnen im Gehirn von Früh­geborenen. (O’ Gorman RL et al., Brain, 2015)